Sonntag, November 19, 2006

Rote-Armee-Fraktion (RAF)

NZZ am Sonntag: Herr Boock, Sie haben am 5. September 1977 mit anderen Terroristen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) den deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer entführt und seine vier Begleiter erschossen. Was lief in diesen Minuten ab?
Peter-Jürgen Boock: Man muss die Vorgeschichte kennen. Wenige Tage vor der Aktion kam ein Schreiben der Gefangenen aus Stammheim: Wenn Ihr jetzt nicht endlich zur Aktion übergeht, nehmen wir unser Schicksal selber in die Hand. Nur drei Personen wussten, was es bedeutet. Ich war eine davon, da ich zuvor geholfen hatte, Waffen und Sprengstoff ins Gefängnis zu schmuggeln. Es war der maximale Druck, den sie auf uns ausüben konnten. Der Kassiber bedeutete: Wenn ihr nicht handelt, begehen wir Selbstmord. Daraufhin haben wir in der Nacht vor der Schleyer-Entführung die Entscheidung gefällt: Wir machen das jetzt - koste es, was es wolle.